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Highlights

aus den Sammlungen der Stadtbibliothek.

Ein Ausschnitt aus dem Evagatorium

© Stadtbibliothek Ulm

Obwohl Felix Fabri keine akademischen Grade erlangte, stieg er zum Lesemeister, Generalprediger und Subprior auf. Er unternahm zahlreiche Reisen, so nach Colmar, Aachen, Konstanz, Nürnberg, Venedig, Rom und die für seinen Nachruhm entscheidenden Pilgerfahrten ins Heilige Land, auf die Sinai-Halbinsel und nach Ägypten.

Über diese beiden in den Jahren 1480 und 1483/84 durchgeführten Reisen hinterließ er unter dem Titel "Evagatorium in Terrae Sanctae, Arabiae et Egypti Peregrinationem" einen umfangreichen tagebuchartigen eigenhändig auf Latein verfassten Bericht (Autograph). Die in elf Traktate eingeteilte Handschrift enthält eine einzigartige Beschreibung, sowohl über die Reise als auch ein auf exakter Beobachtung beruhendes Bild der geographischen, religiösen und gesellschaftlichen Verhältnisse in den bereisten Gebieten. Daneben stellt sie mit zahlreichen historischen Rückblicken sowie Abschweifungen in viele geistige Bereiche ein fesselndes Dokument des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit dar.

Es entstand so eine wichtige Quelle für die Kulturgeschichte des Vorderen Orients im ausgehenden Mittelalter. Unter den rund 200 Handschriften der Stadtbibliothek ist das Evagatorium die Bedeutendste und Bekannteste, wie Anfragen aus aller Welt bezeugen. Bis ins 19. Jahrhundert fand das Evagatorium nur eine handschriftliche Verbreitung. 1843 bis 1849 wurde es von Konrad Dieterich Haßler ediert und in den 90-iger Jahren des 20. Jahrhunderts aus dieser Edition von Herbert Wiegandt und Herbert Krauß ins Deutsche übersetzt. Eine wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Edition inkl. Übersetzung ins Französische auf der Grundlage des Autographs erarbeitet derzeit Jean Meyers; diese ist jedoch noch nicht vollständig erschienen. Eine weitere Edition inkl. Übersetzung ins Deutsche ist derzeit in Vorbereitung. Weitere Einzelheiten dazu auf Anfrage.

Wer seine Schicksalsfrage beantwortet haben will, wird zuerst zu einem König geleitet. Der verweist ihn zu einem Symbol wie z.B. dem Hahn. Jetzt wird gewürfelt, um dann das Resultat auf einem der 56 Felder zu suchen. Von dort geht es weiter zur nächsten Abteilung, die schließlich den Weg zu Ziel weist: einem Propheten und einer von dessen Prophezeiungen.

© Stadtbibliothek Ulm

Lorenzo Spirito: Das Buch der Schicksale.

Lorenzo Spirito wurde um 1422/25 in Perugia als Sohn eines Notars geboren und starb daselbst am 1. Mai 1496. Nach Militärdienst unter dem Condottiere (Söldnerführer) Niccolo Piccinino (+1444) und dessen Sohn Jacopo (+1465) kehrte er 1454 in seine Heimatstadt zurück, wo er verschiedene öffentliche Funktionen übernahm. Sein bedeutendstes literarisches Werk ist sein Losbuch, das zwischen 1482 und 1698 in 50 Auflagen erschienen ist: 23 italienische, 17 französische, 4 spanische, 3 flämische und 3 englische Ausgaben.

Alexander Rosenstock hat über dieses Unikat aus der Schad-Bibliothek eine Arbeit verfasst, die die Rezeptions- und Wirkungsgeschichte dieses Werkes behandelt. Sie ist, einschließlich eines Faksimiles des Originals, als Band 23 der Veröffentlichungen der Stadtbibliothek Ulm erschienen und kostet 24,80 €. Im Folio-Verlag Bozen/Wien erschien im Jahr 2019 die erste Übersetzung dieses Losbuches in die deutsche Sprache.

Literatur:
Lorenzo Spirito: Das Buch der Schicksale. Wien und Bozen, 2919. ISBN 978-3-85256-792-1.
Alexander Rosenstock: Das Losbuch des Lorenzo Spirito von 1482. Weißenhorn 2010. (Veröffentlichungen der Stadtbibliothek Ulm ; 23). ISBN 978-3-87437-550-4.

Il Libro delle Sorti. Perugia 1482 (Pdf)

Leonhard Fuchs

© Stadtbibliothek Ulm

Leonhart Fuchs (1501-1566) übernahm, nach Studium in Erfurt und Ingolstadt sowie Tätigkeiten in München, Ansbach und Ingolstadt, am 14. August 1535 den Lehrstuhl für Medizin an der Universität Tübingen. 1542 brachte er ein Kräuterbuch in lateinischer Sprache unter dem Titel: De Historia stirpium commentarii insignes ... heraus.
Eines der Exemplare stammt aus der Privatbibliothek von Leonhart Fuchs, worauf der handschriftliche Eintrag „Ex Bibliotheca Leonharti Fuchsij“ hinweist. Der Band enthält über 500 handkolorierte Holzschnitte. Vermutlich kam das Buch durch seinen Sohn Friedrich Fuchs (1532-1604), der in Ulm als Stadtarzt beschäftigt war, in die Ulmer Stadtbibliothek.

New Kreuterbuch, 1543

Die Stadtbibliothek Ulm bewahrt zwei Exemplare dieses Druckes auf. Das unter der Signatur 19 257 4° aufbewahrte Exemplar der Stadtbibliothek Ulm stellt unter allen übrigen Exemplaren desselben Drucks eine einzigartige Besonderheit dar: Es stammt aus der Privatbibliothek von Leonhart Fuchs. Ein handschriftlicher Eintrag weist darauf hin: „Ex Bibliotheca Leonharti Fuchsij“. Der Band enthält über 500 handkolorierte Holzschnitte, die noch in unserer Gegenwart regelmäßig publizistisch, sowohl für wissenschaftliche wie für populäre Zwecke gefragt werden. Dass Fuchs selbst diese Kolorierung beauftragt und wohl auch ihre Durchführung beaufsichtigt hat, zeichnet die Qualität dieses Ulmer Exemplars aus. Vermutlich kam es durch seinen Sohn Friedrich Fuchs (1532-1604), der in Ulm als Stadtarzt beschäftigt war, in die Ulmer Stadtbibliothek.

Restaurierung des Bandes

Der Band wurde im Juli 1995 im Rahmen der von der Bibliotheksgesellschaft Ulm ins Leben gerufenen Aktion "Adopt a book" restauriert. Patin dieser Maßnahme war Frau Dr. Rosemarie Wildermuth.
2001 brachte der Taschen-Verlag in Köln einen Nachdruck dieses Exemplars heraus, der inzwischen vergriffen ist. Im selben Jahr brachte das Bundespostministerium anlässlich des 500. Geburtstages Leonhard Fuchs' eine Sondermarke "Von Indianischem Pfeffer" heraus, die die Abbildung Nr. CCCCXVIII auf Seite 727 zeigt.

Bildmaterial

Für Anfragen wegen Bildmaterials und der Rechte zu seiner Verwendung wenden Sie sich bitte an Frau Dr. Pia Eckhart.

Ausschnitt aus einer Seite der Cosmographia von Claudius Ptolemaeus

© Stadtbibliothek Ulm

Claudius Ptolemaeus [Klaudios Ptolemaios] (ca 90 – 165/170 n.Chr.) stammte aus Oberägypten und war Gelehrter in Alexandria. Er hinterließ der Nachwelt zwei hervorragende Werke, die die Wissenschafts-entwicklung noch im Mittelalter beeinflußten: sein Sternenkatalog „Almagest“ und seine „Geographia (griech.: Cosmographia)“.

1482 wurde diese Geographia erstmals nördlich der Alpen gedruckt und zwar durch den Ulmer Buchdrucker Lienhart Holl, der nach Johann Zainer d. Ä. und Conrad Dinckmut der dritte Ulmer Inkunabeldrucker war. Dieses Werk war der erste Atlasdruck nördlich der Alpen. Es war der erste und aufwändigste Druck aus Holls Werkstatt und brachte Holl in so große wirtschaftliche Schwierigkeiten, dass er bereits 1486 seine Druckerei aufgeben mußte. Die 31 Karten sind in Holz geschnitten und mehrfarbig koloriert. Das hier ausgestellte Exemplar, bei dem der Textteil fehlt, ist auf Pergament gedruckt und stammt aus der Bibliothek des Ulmer Patriziers Erhard Schad (1605 – 1681). Ein handschriftlicher Besitzvermerk lautet: „Erhardi Schad Sueui“. Seine Bibliothek umfasst rund 14 000 Titel des 15. bis 17. Jahrhunderts.

Weitere Informationen zu Leben und Werk von Claudius Ptolemaeus finden Sie in dem Ausstellungskatalog, der 1982 zum 500jährigen Jubiläum der Drucklegung erschienen und im Buchhandel für 19,00 € erhältlich ist:

Die Ulmer Geographia des Ptolemäus von 1482. Hrsg. von Karl-Heinz Meine. Weißenhorn 1982. (Veröffentlichungen der Stadtbibliothek Ulm ; 2), ISBN: 3-87437-195-6.

Die Stadtbibliothek birgt viele Schätze, einige davon sind durchaus spektakulär, andere sind es weniger, aber durchaus für Wissenschaft und Forschung, für die Bestandsgeschichte der Bibliothek oder für die Überlieferungsgeschichte eines Textes bedeutsam. Längst sind nicht alle Zusammenhänge erforscht. Daher unterstützen wir gerne alle diejenigen, die mit ihrem Fachwissen und einer speziellen Fragestellung an uns und unsere historischen Bestände herantreten, und wir freuen uns über jedes Mosaiksteinchen von Erkenntnis, das Experten uns zur Verfügung stellen. Das gilt auch für die Einbandmakulaturen, die im Laufe von mehr als einhundert Jahren im Zuge von Restaurierungsmaßnahmen entdeckt und gesammelt worden sind. So danken wir dem langjährigen Benutzer der Ulmer Bibliothek, dem durch zahlreiche einschlägige Publikationen ausgewiesenen Rechtshistoriker Dr. Ulrich-Dieter Oppitz, für seine Untersuchung eines hiesigen Handschriftenfragmentes und für die Zusammenfassung seiner Erkenntnisse, die wir auf diesem Wege bekannt machen dürfen. Text und Bilder stammen von Ulrich-Dieter Oppitz.

Der Ulmer Patrizier Ulrich Krafft

© Stadtbibliothek Ulm

Der um 1455 geborene Ulmer Patrizier Ulrich Krafft, Angehöriger der vornehmsten Familie der Reichsstadt und Bürgermeistersohn, starb am 11. April 1516 in seinem Pfarrhof, der auf halbem Weg zwischen Münster und Rathaus lag. Am 1. April hatte er in seinem Testament die Stadt Ulm als Erbin seiner ungewöhnlich großen Bibliothek eingesetzt. Das Büchervermächtnis enthielt keine Handschriften, sondern über dreihundert Bände nur mit Druckschriften. Mit der Schenkung war der Auftrag des Pfarrers an die Stadtväter verbunden, ein geeignetes Gebäude für die Bücher zu errichten. So entstand in den Monaten nach seinem Tod die erste Stadtbibliothek Ulms. Etwa die Hälfte der Krafft’schen Folianten sind heute noch vorhanden und befinden sich alle im Magazin der Stadtbibliothek Ulm.

Hamm, Berndt: Spielräume eines Pfarrers vor der Reformation. Ulrich Krafft in Ulm (Veröffentlichungen der Stadtbibliothek Ulm 27), Ulm 2020.